Staufenberg-Schule 
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"Wein und Kirche"
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Wein und Kirche 

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Der längste Prozeß, der je um den Durbacher Wein geführt worden ist, überdauerte die schlimmsten Zeiten, die der Dreißigjährige Krieg ins Tal gebracht hatte. Über 85 Jahre hinweg rang das Kloster Allerheiligen auf seinen Anspruch auf den Zehnten aus dem Staufenberger Gebiet. Dabei ging es in erster Linie um den Wein, dessen Anbau im 16. Jahrhundert stark ausgeweitet worden war. Wer waren diese streitbaren Mönche, die den Durbacher Rebleuten fast ein Jahrhundert lang mit ihren juristischen Waffen so hart zugesetzt haben? Herzogin Uta von Schauenburg hatte das Kloster Allerheiligen gegen Ende des 12. Jahrhunderts gegründet.  
Kirche in Durbach
 
Nach der Sage soll ein Esel mit prall gefüllten Säcken voller Goldstücke auf dem Rücken, vom Renchtal über den Sohlberg getrieben worden sein, und die Herzogin verfügt haben, das Kloster an dem Platz zu bauen, an dem der Esel stehen bleiben würde. Oberhalb der Lierbachwasserfälle ging dem Lasttier der Atem aus. Am Sohlberg erinnert der Eselsbrunnen mit einer Steinplatte aus dem Jahre 1793 an diese Sage. 
Uta rief die Prämonstratenser in den Nordschwarzwald, jenen strengen Orden, der von Frankreich aus wieder Zucht und Ordnung ins Klosterleben bringen wollte. Sie gestalteten das Kloster Allerheiligen zu einem berühmten Kleinod, von dem die Kirchenruine und die noch erhaltenen Anlagen Zeugnis ablegen. Die Straße von Oppenau nach Ottenhöfen oder zum Ruhestein führt daran vorbei. 1657 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. 
Im Zeitalter des Humanismus entwickelte sich die Klosterschule zu einem berühmten Gymnasium, an dem Fürstensöhne nicht nur in Latein, Griechisch und Mathematik, sondern auch in Hebräisch, Arabisch, Astronomie und Musik unterwiesen wurden. 
Was Wunder, daß Allerheiligen weitreichende Beziehung zu vielen europäischen Fürstenhöfen unterhielt. Erst die Säkularisation vertrieb die Mönche aus Allerheiligen. Am 14. Februar 1803 eröffnete ein Kommissar der markgräflichen Regierung in Begleitung einer Abteilung Husaren Abt Wilhelm Fischer und 28 Mönche die Aufhebung des Klosters. Nur vier Monate später setzte ein Blitzschlag die verlassenen Klosteranlagen in Brand. 
Die Kraft des Prämonstratenser strahlte weit über Allerheiligen hinaus ins Land. Mit Geschick und Beharrlichkeit weitete man seinen Einflußbereich aus. So wurde das Kloster auch Inhaber des Patronatsrechts der Nußbacher Kirche. Davon leiteten die Mönche ihren Anspruch ab, in der Herrschaft Staufenberg ihren Zehnten zu erheben. Daß sie ihn im unteren Teil des Tales nur bis zur rechten Bachgrenze geltend machten, hatte seinen guten Grund. Links vom Bach nämlich kassierte die mächtige Reichsabtei Gengenbach den Zehnten. 
Die schon ihren weltlichen Herren pflichtigen Durbacher begehrten auf, als sie auch noch einen weiteren Zehnten ihrer Erträge an das Kloster Allerheiligen abführen sollten. Den dreißigsten Teil wollten sie den Prämonstratensern geben, mehr aber auch nicht. Prompt erhob das Kloster 1561 vor dem Hofgericht zu Baden Klage. Zwölf Jahre später wurde sie kostenpflichtig abgewiesen. Allerheiligen konnte den Erwerbstitel für das Zehntrecht nicht beibringen. Als die Herrschaft Staufenberg kurz darauf vorübergehend unter die Regentschaft der protestantischen Linie Baden-Durlach kam, ließen die Mönche den Streitfall ruhen. 
Kaum aber war Markgraf Wilhelm 1622 wieder Herr in seinen baden-badischen Landen, wandte sich das Kloster an ihn. Da aber die Angelegenheit offenbar nicht im erhofften Sinne vorangetrieben wurde, besann man sich in Allerheiligen auf jenen Weg, der die Klöster oft rascher und sicherer zum Ziel führte. Sie deklarierten die Streitsachen kurzerhand zum „kirchlichen Fall“. Damit kam der Prozeß vor das bischöfliche Gericht in Straßburg, das dem Kloster Recht gab. Die Durbacher, die diesen Streit wegen seiner großen Bedeutung zur Gemeindeangelegenheit erklärt hatten, appellierten an den Erzbischof von Mainz, der jedoch als nächsthöhere Instanz das Straßburger Urteil bestätigte. Da blieb den Durbachern nur noch der Bittgang nach Rom. Hatte dort nicht gerade Maffeo Barberini aus Florenz den Stuhl Petri bestiegen und nach seiner Wahl zum Papst 1623 den Namen des Schutzpatrons der Winzer, Urban, angenommen? Konnte man darin ein gutes Zeichen erblicken, daß der Prozeß mit dem Kloster in der höchsten Instanz vielleicht doch noch eine günstige Wende nehmen werde? 
Die vagen Hoffnungen der Durbacher erfüllten sich nicht. Als Delegat des Papstes entschied der Bischof von Basel 1646, zwei Jahre nach dem Tod von Urban VII., 
daß die Ansprüche des Klosters Allerheiligen berechtigt seien. 
Der Propst von Allerheiligen stellte den Durbachern eine gesalzene Rechnung zu. Das 
durch den dreißigjährigen Krieg verwüstete Dorf sollte als Entschädigung 8000 Gulden 
bezahlen. Nur durch das energische Eingreifen des Markgrafen wurde die Zwangsein- 
treibung verhindert. Den Zehnten aber mußten die Durbacher fortan dem Kloster geben, wobei es ihnen nur ein schwacher Trost gewesen sein mag, daß selbst der mit großer 
Macht ausgestattete Bischof von Straßburg gelegentlich zurückstecken mußte, wenn er 
sich mit dem einflußreichen Prämonstratenser von Allerheiligen anlegte.
Aus: Ehmann, Karl / Reiser, Gerd: Durbach: Wein- und Erholungsort. 
Reiff-Verlag, Offenburg