| Das
Projekt
Geschichte des Weins in
Durbach und Baden
Geschichte des
Weins 2
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Die
Melusine rächt sich
| Im Durbacher Tal sieht man im großen Stollenwald die
Trümmer einer alten Burg. Am Eingang des Tales aber erhebt sich links das
Schloß Staufenberg.
Einst wohnte auf der alten Burg ein Amtmann zu Staufenberg.
Sein Sohn Sebald liebte den Vogelfang. Im Herbst ging er oftmals an den
Fuß des Stollenwaldes, um Meisen zu kloben. Da hörte er einmal vom Berge
herab so lieblich singen, daß er hinaufging, um zu sehen, was es wäre.
Auf dem Gipfel des Stollenwaldes erblickte er in einem Gebüsch
ein wunderschönes Weib. |
Schloß Staufenberg
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Das sagte zu ihm: „Erbarme dich meiner und erlöse mich!
Ich bin verwünscht und harre deiner seit langer Zeit. Erhöre meine Bitte:
du brauchst mich nur dreimal dreifach zu küssen, dann bin ich erlöst!“
Sebald fragte sie, wer sie denn sei. Sie
gab zur Antwort: „Ich bin Himmels–Stollen-Tochter und heiße Melusine. Ich
habe einen großen Brautschatz, und wenn du mich erlöst, so bin ich und
der Schatz dir eigen. Du mußt mich nur drei Morgen nacheinander um neun
Uhr in der Frühe auf beide Wangen und auf den Mund küssen, dann ist die
Erlösung vollbracht. Du darfst dich aber nicht fürchten, besonders nicht
am dritten Tag.“
Melusine trat nun ganz aus dem Busch hervor. Sebald konnte
sie genau betrachten. Sie war wunderschön, blond, hatte blaue Augen und
ein schönes Angesicht. Aber an ihren Händen hatte sie keine Finger, sondern
eine trichterartige Höhlung, und statt der Füße einen Schlangenschwanz.
Sebald gab ihr die ersten drei Küsse. Darüber war Melusine froh und bat
ihn, am zweiten und dritten Tage zur rechten Zeit wiederzukommen. Sie kroch
in den Busch zurück und sang:
„Komm und erlöse deine Braut.
Hüte dich wohl, zu erschrecken!
Sebald, nimm dich wohl in acht!
Einmal war es recht gemacht.“
Dann versank sie rasch in die Erde, und Sebald ging heim.
Am anderen Tag kam er zur rechten Zeit wieder in den
Stollenwald und hörte sie schon von weitem auf der Höhe singen. Dieses
Mal hatte sie jedoch Flügel und einen Drachen- schweif.
Trotzdem nahte er sich ihr ohne Furcht und gab ihr die
anderen drei Küsse. Sie sang ihm dankbar zu wie am ersten Tag und bat ihn,
am dritten Tag wiederzukommen. Darauf verschwand sie abermals in
der Erde.
Sebald konnte die Nacht kaum schlafen. Früh ging er wieder
in den Stollenwald und hörte ihr Lied wie an den vorigen Tagen. Aber dieses
Mal hatte sie einen scheußlichen Krötenkopf, und ein Drachenschwanz umschlang
furchtbar ihren Leib. Da grauste es Sebald vor der giftigen Gestalt, und
er rief ihr zu: „Kannst du dein Menschenantlitz nicht entblößen, so kann
ich dich nicht küssen!“
„Nein“, rief Melusine und streckte mit einem lauten Schrei
ihre Arme nach ihm. Voller Angst sprang Sebald
den Berg hinab.
Gerade schlug es neun Uhr, als er atemlos in der Burg
bei seinem Vater ankam. Diesem erzählte er, was ihm begegnet war. Sein
Vater aber hat ihn wegen seiner Furcht- samkeit sehr gescholten.
Zwei Jahre vergingen. Sebald kam nicht mehr in den Stollenwald,
dachte aber wohl manchmal daran, daß er die Melusine betrogen hatte. Doch
war von ihm seitdem nichts gesehen. Als nun der Vater seinen Dienst an
seinen Sohn abtreten wollte, sah er sich nach einer Frau für den Jüngling
um und fand sie in der Tochter eines Amtsvogtes. Bald saßen sie recht fröhlich
am Tisch, als auf einmal die Decke des Saales einen Spalt bekam. Darauf
fiel ein Tropfen herab gerade in Sebalds Teller. Sebald aber hatte davon
nichts bemerkt. Als er dann ahnungslos von der Speise in seinem Teller
aß, sank er plötzlich tot vom Stuhl. Zur gleichen Zeit sah man einen kleinen
Drachenschweif sich in die Decke zurückziehen.
So hat die schöne Melusine sich gerächt, weil Sebald
ihre Hoffnung auf Erlösung betrogen hatte.
Der Vater aber ließ die Geschichte zum Ewigen Andenken
aufschreiben. In Stein gehauen ist sie auf Schloß
Staufenberg bis auf den heutigen Tag zu sehen. |
Josef Werner: Durbacher Heimatgeschichte(n) |
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