Staufenberg-Schule 
Küfergasse 8 
77770 Durbach 
Tel.: 0781-932840 
Fax: 0781-9480583
 
Weinprojekt 
der Staufenberg
Schule 

 
Übersicht   
 
Die Melusinensage
Das Projekt 

Geschichte des Weins in  
Durbach und Baden 

Geschichte des 
Weins 2 

Wein in Durbach 

Durbacher Winzer 

Der Rebbauer 

Das Rebland 

Die Rebsorten in Durbach 

Die Weinsprache 

Weinfeste 

Die Melusinensage 

Wein und Kirche 

Die Winzergenossenschaft 

Weingüter 1 

Weingüter 2 

Weingüter 3  
 
 

  Die Melusine rächt sich 
 
Im Durbacher Tal sieht man im großen Stollenwald die Trümmer einer alten Burg. Am Eingang des Tales aber erhebt sich links das Schloß Staufenberg. 

Einst wohnte auf der alten Burg ein Amtmann zu Staufenberg. Sein Sohn Sebald liebte den Vogelfang. Im Herbst ging er oftmals an den Fuß des Stollenwaldes, um Meisen zu kloben. Da hörte er einmal vom Berge herab so lieblich singen, daß er hinaufging, um zu sehen, was es wäre. Auf dem Gipfel des Stollenwaldes erblickte er in einem Gebüsch ein wunderschönes Weib.

 
             Schloß Staufenberg 
 
 
Das sagte zu ihm: „Erbarme dich meiner und erlöse mich! Ich bin verwünscht und harre deiner seit langer Zeit. Erhöre meine Bitte: du brauchst mich nur dreimal dreifach zu küssen, dann bin ich erlöst!“ Sebald fragte sie, wer sie denn sei. Sie gab zur Antwort: „Ich bin Himmels–Stollen-Tochter und heiße Melusine. Ich habe einen großen Brautschatz, und wenn du mich erlöst, so bin ich und der Schatz dir eigen. Du mußt mich nur drei Morgen nacheinander um neun Uhr in der Frühe auf beide Wangen und auf den Mund küssen, dann ist die Erlösung vollbracht. Du darfst dich aber nicht fürchten, besonders nicht am dritten Tag.“ 
Melusine trat nun ganz aus dem Busch hervor. Sebald konnte sie genau betrachten. Sie war wunderschön, blond, hatte blaue Augen und ein schönes Angesicht. Aber an ihren Händen hatte sie keine Finger, sondern eine trichterartige Höhlung, und statt der Füße einen Schlangenschwanz. Sebald gab ihr die ersten drei Küsse. Darüber war Melusine froh und bat ihn, am zweiten und dritten Tage zur rechten Zeit wiederzukommen. Sie kroch in den Busch zurück und sang: 
                „Komm und erlöse deine Braut. 
                 Hüte dich wohl, zu erschrecken! 
                 Sebald, nimm dich wohl in acht! 
                 Einmal war es recht gemacht.“ 
Dann versank sie rasch in die Erde, und Sebald ging heim. 
Am anderen Tag kam er zur rechten Zeit wieder in den Stollenwald und hörte sie schon von weitem auf der Höhe singen. Dieses Mal hatte sie jedoch Flügel und einen Drachen- schweif. 
Trotzdem nahte er sich ihr ohne Furcht und gab ihr die anderen drei Küsse. Sie sang ihm dankbar zu wie am ersten Tag und bat ihn, am dritten Tag wiederzukommen. Darauf  verschwand sie abermals in der Erde. 
Sebald konnte die Nacht kaum schlafen. Früh ging er wieder in den Stollenwald und hörte ihr Lied wie an den vorigen Tagen. Aber dieses Mal hatte sie einen scheußlichen Krötenkopf, und ein Drachenschwanz umschlang furchtbar ihren Leib. Da grauste es Sebald vor der giftigen Gestalt, und er rief ihr zu: „Kannst du dein Menschenantlitz nicht entblößen, so kann ich dich nicht küssen!“ 
„Nein“, rief Melusine und streckte mit einem lauten Schrei ihre Arme nach ihm. Voller Angst sprang  Sebald den Berg hinab. 
Gerade schlug es neun Uhr, als er atemlos in der Burg bei seinem Vater ankam. Diesem erzählte er, was ihm begegnet war. Sein Vater aber hat ihn wegen seiner Furcht- samkeit sehr gescholten. 
Zwei Jahre vergingen. Sebald kam nicht mehr in den Stollenwald, dachte aber wohl manchmal daran, daß er die Melusine betrogen hatte. Doch war von ihm seitdem nichts gesehen. Als nun der Vater seinen Dienst an seinen Sohn abtreten wollte, sah er sich nach einer Frau für den Jüngling um und fand sie in der Tochter eines Amtsvogtes. Bald saßen sie recht fröhlich am Tisch, als auf einmal die Decke des Saales einen Spalt bekam. Darauf fiel ein Tropfen herab gerade in Sebalds Teller. Sebald aber hatte davon nichts bemerkt. Als er dann ahnungslos von der Speise in seinem Teller aß, sank er plötzlich tot vom Stuhl. Zur gleichen Zeit sah man einen kleinen Drachenschweif sich in die Decke zurückziehen.               
So hat die schöne Melusine sich gerächt, weil Sebald ihre Hoffnung auf Erlösung betrogen hatte. 
Der Vater aber ließ die Geschichte zum Ewigen Andenken aufschreiben. In Stein gehauen ist sie  auf Schloß Staufenberg bis auf den heutigen Tag zu sehen.
Josef Werner: Durbacher Heimatgeschichte(n)